Entgleisung - Spiel mit Opfern
>spiel > Du meinst: Daß sie vertrieben wurden, wie die Albaner im Kosovo?
> Nein. (Und das mit “den Albanern im Kosovo” ist auch nicht wirklich
> so einfach.) Die Juden haben das Land von den Landbesitzern gekauft,
> die ihre Vasallen dann “entlassen” haben. Eine andere Möglichkeit,
> das Land zu erwerben, bestand nicht. Die Vertreibungen sind nicht den
> Juden anzulasten.
Die Siedler in Amerika haben das Land auch oft von korrumpierten
Haeuptlingen und Regierungen gekauft. Dass die Indianer vertrieben
wurden, ist also nicht den Weissen anzulasten.
Das ist rassistisch-kolonialistische Denke. In der Tat war es
so, dass schon vor dem 1. Weltkrieg, und verschaerft unter dem
britischen “Treuhandgebiet” Palaestina Land von absenten
osmanischen Grossgrundbesitzern gekauft wurde, deren Besitz-
ansprueche oft windig waren und vor allem deshalb akzeptiert
wurden, weil diese Typen verkaufswillig waren.
Die Vertreibungder Felahin, der arabischen Kleinbauern, die
meist schon seit vielen Generationen dort lebten, wurde dann
von den oertlichen Behoerden, das heisst, erst der osmanischen
Polizei, dann der britischen Kolonialmacht, vorgenommen.
Die Presse der zwanziger Jahren, auch und gerade die juedische
in Europa, hat darueber uebrigens ausfuehrlich berichtet. Auch
sozialistische und andere linke zionistische Stroemungen und
Gruppen in Palaestina, die sich um einen sozialen und politischen
Schulterschluss mit den arabischen Untertanen des britischen
Kolonialismus bemuehten, haben diese Praktiken, die zu Spannungen
und Unruhen fuehrten, ausfuehrlich dargestellt und leidenschaftlich
kritisiert.
Was Du betreibst, ist Geschichtsfaelschung.
..
> > > sondern sie wurden damit aus einer brutalen
> > > Feudalknechtschaft mittelalterlichen Charakters befreit.
Das ist Geschwaetz. Von Feudalismus kann man nicht einmal im
osmanischen Reich sprechen. Feudalismus gab es im europaeischen
Mittelalter. Und seit 1916 kontrollierten die britischen
Kolonialherrscher das Land. Sicher waren die Lebensbedingungen
der Landbevoelkerung vormodern und recht hart. Die “Befreiung”
sah aber so aus, dass die Menschen ihre Haeuser und ihre Arbeit
verloren. Wer sich wehrte, wurde auch noch von seiner Freiheit
oder seinem Leben befreit. Undankbare Leute, dass sie das nicht
toll fanden.
..
> Ja. Vgl. dazu, zum anfangs genannten Punkt und zu weiteren vielleicht
> mal http://www.hirhome.com/israel/pal_mov3.htm - eine Quelle, die
> ihren historischen Abriss der Gründung Israels unter anderem anhand
> des Werks eines dezidierten Antizionisten verifiziert.
Verifiziert ist ein starkes Wort, und hier umso mehr fehl am Platze.
Da wird sich wortreich um die Tatsache herumgewunden, dass die
zionistische Besiedelung grosse Zahlen arabischer Paechter und
Kleinbauern besitz-, arbeits- und heimatlos machte, in Zusammen-
wirken von lokalen und absenten Oberschichten und Profiteuren
und Machthabern mit den kaufkraeftigen Siedlern, die sich in
dieser Zeit nicht mit Vertreibungen die Finger schmutzig machten.
Uebrigens wird das Geschichtswerk von Weinstock da in einer
Weise “kreativ zitiert”, die in einem historischen Seminar
wohl zur Zurueckweisung einer solchen Arbeit fuehren wuerde.
..
> > > Araber in der Umgebung, v.a. dem heutigen Restpalästina, niederließen
> > > um von dem neuen Wohlstand zu profitieren.
Auch da ist wieder viel Geschichtsklitterung. Zwischen 1900 und
1940 haben alle Staedte im Nahen Osten und generell im Mittel-
meerraum ein starkes Wachstum ueberwiegend durch Landflucht
erlebt. Die Bevoelkerungsentwicklung im britischen “Mandatsgebiet”
unterschied sich da in keiner Weise uebermaessig. Gewiss hat
groessere Kaufkraft der europaeischen Einwanderer besonders
in den Staedten auch Arbeitskraefte angezogen. Daraus ein
besonderes Verdienst der Siedler oder gar einen Anspruch
auf Vertreibung der einheimischen Menschen abzuleiten, ist
aber absurd.
Und auch die Propaganda mit “aus einer Wueste ein bluehendes
Land” ist mit Vorsicht zu geniessen. Grosse Teile der hoch
wasserintensiven, mechanisierten und chemisierten israelischen
Landwirtschaft sind alles andere als nachhaltig. In aehnlicher
Weise haben im uebrigen alle kolonialen Rassisten ihre Vorrechte
gegenueber “den Wilden” abzuleiten versucht.
Als Fazit: die Menschen, wie immer sie dahin gekommen sind,
und egal ob Israelis oder Palaestinenser, Juden, Christen
oder Moslems, leben da, und muessen miteinander zurechtkommen.
Weder Fingerzeigen noch rassistisch-koloniale Ueberheblichkeit
sind da von Nutzen, so wenig wie islamistischer Fanatismus.
a^2