> > < Ihr beklagt:
> > <
> > “Den USA geht es wieder einmal nicht um Völkerrecht, Menschenrechte,
> > < Demokratie...."
>
> > Weil Bush in seiner Kriegspropaganda so oft umgeschwenkt ist, daß er
> > dadurch unglaubwürdig wurde. Zuerst meinte er die Verbindung zwischen
> > Irak und al-Qaida. Das kann jedoch nicht sehr wahrscheinlich sein,
> > weil die al-Qaida im 1. Golfkrieg an Seite der Amis
> > kämpfte!!(Scholl-Latour in einer Diskussion zur Eröffung der “Tagung
> > zur Sicherheitspolitk” in München; kam auf Phoenix) Da werden die
> > sich sicherlich nicht auf die Seite von Saddam stellen. Als das nicht
> > fruchtete, wurde gemeldet, daß Saddam MVW besitzt. Aber wo sind die??
> > Die Amis haben ja augenscheinlich ihre geheimdienstlichen
> > “Erkenntnisse” den UNO-Inspektoren vorenthalten und so ist/war eine
> > neutrale Überprüfung nicht möglich. Weil’s nichts gibt? Und dann noch
> > die Umkehr der Beweisführung. Saddam sollte beweisen, daß er keine
> > MVW hat. Ich frage mich, wie soll jemand beweisen, daß er NICHTS
> > hat?? Die Umkehr der Beweisführung widerspricht ebenfalls allen
> > rechststaatlichen Grundlagen.
>
> *seufz*
> Das es tatsächlich nicht um die Idealvorstellungen von
> Völker/Menschenrecht, Demokratie, etc. geht ist vollkommen klar und
> wird auch nicht kritisiert.
> Die Kritik richtet sich gegen die Vorstellungen von Menschen mit
> deiner Gesinnung, die davon ausgehen, dass die Politik der
> US-Regierung mit ihrem Handeln den “eigentlich” selbstverständlichen,
> friedlichen Umgang miteinander zum gegenseitigen Nutzen, etc.
> zunichte macht.
Ich hab’ mich anscheinend nicht klar genug ausgedrückt. Natürlich
weiß ich, daß der friedliche Umgang miteinander nur dann eintritt,
wenn die wirtschaftlichen und machtpolitischen Umstände dies
zulassen.
Genau genommen, finde ich, daß die Theorie, die aussagt,daß der Staat
nur dazu da ist, um der Wirtschaft einen einheitlichen Rechtsraum zu
bieten, den freien Zugang zu Resourcen und den freien Zugang zu
Absatzmärkten zu gewährleisten, die momentane weltpolitische Lage am
besten beschreibt. (Im übrigen kann diese Theorie ebenfalls den
Kolonialismus sehr treffend beschreiben.) Dies ist aber zunächst nur
eine Analyse, die eine Bewertung erstmal außen vor läßt.
> Das ist Blödsinn.
> Weltpolitik funktioniert genau so (und hat auch nie wirklich anders
> funktioniert), wie Bush es uns vorexerziert.
Genau. Siehe oben
> Ziel einer jeden Nation ist es, sich mit den erforderlichen Mitteln
> den Reichtum anderer Nationen zu sichern. Dabei haben auch die
> augenscheinlich “friedlichen” wirtschaftlichen Werkzeuge wie z.B. ein
> IWF Kredit ein ordentliches Erpressungspotential. Bush führt uns
> jetzt halt seine militärische Machtmittel vor, die den selben Zweck
> erfüllen.
Stimme ich Dir auch zu.
> Es geht ja nicht darum, den Irak in Schutt und Asche zu bomben (das
> wäre flott erledigt), sondern sich die dortigen Reichtümer verfügbar
> zu machen und zu halten.
Und um dieses “verfügbar machen und halten” geht es. Die Motivation
ist klar, da gibt es nichts dran zu deuten. Mir geht es aber auch
darum, daß die Postära des Irakkrieges nahezu unbestimmt ist. Das
kann von Friede, Freude, Eierkuchen sein bis dahin, daß wir mit
Terroranschlägen überzogen werden. Allerdings finde ich, daß die
Chancen für eine Destabilisierung der Region deutlich höher sind. Man
muß sich da ja nur mal das Extremistenpotential in z.B. Saudi-Arabien
angucken. Dazu kommt,daß Saddam den Juden gegenüber nicht sehr
freundlich gesonnen ist und somit auch antijüdische Terrorgruppen
(z.B. die Terrorgruppen der Palästinenser) auf den Zug aufspringen
könnten. Wenn das eintritt, wird die innere Sicherheit deutlich
erhöht werden und wie das aussehen kann, zeigt der Gesetzesentwurf in
Reinland-Pfalz zum neuen Polizeigesetz
(http://www.heise.de/newsticker/data/jk-05.02.03-004/).
Um es also deutlich zu sagen: Da ich meinen eigenen Arsch retten
will, darf kein Krieg im Irak stattfinden. Nicht unter solchen
Vorzeichen. Es müssten vielmehr moralische Argumente gefunden werden,
die Kulturübergreifend tatsächlich verstanden und unterstützt
werden(wie z.B. die totgetretenen Babys im 1. Golfkrieg) Dann ist ein
Krieg mehr oder minder gefahrlos durchzuführen.
Aber so können nur Märtyrer geboren werden. Und was ist gefährlicher:
Ein idealisierter und stilisierter Märtyrer oder ein Despot, bei dem
die Landsleute mitkriegen, wie er wirklich ist??
> Das führt uns zum nächsten Thema.
>
>
> > < Ihr beantragt:
> > < "Kein Blut für Öl"!
> > Dazu nur eine Statistik: Die Amerikaner stellen 5% der Weltbevölerung
> > dar, verbrauchen aber 25% des geförderten Ölvorkommens. Die sind auf
> > Teufel und Tod auf Öl angewiesen, sonst bricht deren Wirtschaft
> > zusammen.
>
> Wenn das arabische Öl versiegt, aus welchen Gründen auch immer,
> bircht nicht nur die amerikanische sondern gleich die ganze
> Weltwirtschaft zusammen.
> Öl ist halt ein konkurrenzlos günstiger Energieträger und deshalb so
> beliebt und wichtig für jeden ordentlichen Kapitalismus.
>
Genau. Darum ist der Status-Quo momentan der beste, weil der
funktioniert.
> > < Ihr fordert:
> > < "Ein deutsches NEIN im UN-Sicherheitsrat"
>
> > Jawohl!! Weil es nicht die Zukunft der politischen Mittel sein kann,
> > daß präventive Schläge zum Alltag gehören. Nordkorea beansprucht
> > dieses Recht nun auch für sich und wer kann sich nach der
> > Militärdoktrin der USA noch dagegenstellen? Die “Guten” beanspruchen
> > es für sich, warum also nicht auch die Bösen? Dafür, daß die USA
> > immer wieder behaupten, daß D keine Rolle mehr spielt, regen die sich
> > aber ziemlich über diesen Nicht-Einfluß auf. Oder hab’ ich da jetzt
> > was falsch verstanden?
>
> Ja.
> Ein Staat kann an Rechten beanspruchen was er will. Solange er nicht
> die Machtmittel hat, diese Rechte auch durchzusetzen, sind sie null
> und nichtig.
Yup!
> Die US-Regierung hat a) den erklärten Willen und b) die
> erforderlichen Mittel um das zu tun, was der Größe ihrer Nation nützt
> (und ein gesicherter Zugriff auf arabisches Öl zusammen mit einer
> nach amerikanischem Geschmack zugerichteten Staatenwelt ist ein
> gewaltiger Nutzen). Dabei ist er auf keinerlei fremde Unterstützung
> angewiesen, er fordert sie aber trotzdem ein, um seiner Konkurrenz
> (das sind D und F) eindeutig klar zu machen, wer hier das
> Weltordnungsmonopol hat. Der Wille steht, der Kriegsplan auch und D
> kann sich bestenfalls noch mit einer unterstützten 2. UNO-Resolution
> von der Liste der Schurkenstaaten streichen und sogar das nur, wenn
> die Amis ihm gnädigerweise diesen Ausweg eröffnen. Angenommen Bush
> macht Schröder das Angebot: “Du bist unser Partner in Leadership, wir
> machen das gemeinsam!”, würde Schröder nur noch antworten “Wann
> geht’s los?” und von Antiamerikanismus wäre nichts mehr zu sehen.
> So hat er nur die Option sich unterzuordnen oder sich den geballten
> Unmut der Amis zuzuziehen. Beide Möglichkeiten sind einem Staatschef,
> der wie alle diese Leute davon überzeugt ist, dass seine Nation zu
> “Höherem” bestimmt ist, ein Greuel und das merkt man seiner Politik
> auch an.
>
Entschuldige, aber D ist doch kein Konkurrent für die USA. Höchstens
die EU, aber die hat sich ja selber disqualifiziert. Hmmm, in Bezug
auf Schröder bin ich mir da tatsächlich nicht so sicher, ob der das
wirklich machen würde. Einerseits (aufgrund eines temporären
Machtzuwachses) auf jeden Fall. Andererseits wäre seine Wiederwahl
deutlich in Gefahr. Es kommt darauf an, welches Machtpotential er
höher einschätzt und persönlich kenn’ ich ihn nicht.
> Lies den “3 Fragen”-Post noch mal genau und versuche, die Antworten
> zu verstehen.
In Zukunft wäre ich Dir sehr verbunden, wenn Du die Beurteilung
meiner geistigen Fähigkeiten mir überläßt!! Für gute Argumente bin
ich jedoch immer zu haben!!
In diesem Sinne.
Viele Grüße,
dickerN….